LT: Gehörlosenverein Landsberg zu Besuch im Lager VII

Das Landsberger Tagblatt berichtet: An Fronleichnam besuchte eine Gruppe von knapp 30 Mitgliedern des Gehörlosenvereins Landsberg am Lech e.V. im Rahmen einer Radtour das ehemalige KZ-Außenlager Kaufering VII. Gabriele Triebel, Präsidentin der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, führte die Gruppe über das Gelände und berichtete über die Geschichte des Lagers. Zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen begleiteten die Führung und machten sie für die gesamte Gruppe zugänglich.

Während des Besuchs entstand die Frage, ob auch gehörlose Menschen im KZ-Außenlagerkomplex Kaufering inhaftiert waren. Eine Recherche im Archiv führte zu Siegfried Fedrid, geboren am 30. April 1920 in Wien. Von 1938 bis 1941 wurde er in der „Jüdischen Blinden- und Taubstummenanstalt“ in Wien betreut. 1941 wurde er gemeinsam mit seinen Eltern nach Łódź deportiert. Mit einem Transport aus Auschwitz kam er am 1. September 1944 nach Kaufering VIII und wurde später nach Kaufering IV verlegt. Er trug die Taubstummen-Häftlingsmarke Nr. 97604 des KZ Dachau. 1947 emigrierte er gemeinsam mit seinen Eltern in die USA.

Die Geschichte Siegfried Fedrids gab dem Besuch eine besondere persönliche Dimension und stellte einen unmittelbaren Bezug zur Verfolgung gehörloser Menschen während der NS-Zeit her. Nach der Besichtigung setzte die Gruppe ihre Radtour fort.